r.c.c.& s. - riots, chaos, confusion and strike
Wenn ich mich recht erinnere, ist die Buchstabenkombination ein altes Seefahrersignal, dass Schiffe vor dem Einfahren in einen Hafen warnen sollte, in dem es gerade drunter und drüber geht. Zu Beginn des ersten spielzeugfreien Tages in zwei Gruppen unserer nicht ganz so kleinen Stadtrandkita wäre r.c.c.& s. wohl auch das passende Signal an alle gewesen, die vor dem betreten der Gruppenräume standen.
Okay, zumindest vor einem. In dem nämlich wurden wild alle vorhandenen Kartons - und es waren gar einige in teils beträchtlicher Größe - übereinander gestapelt. Jeweils bis zum Zusammensturz des so entstandenen Turms. Dann ging es von vorn los. Schier unermüdlich wiederholten die Baumeister (es waren nur Jungen) das Procedere. Der Turm war wohl das einzige Produkt, das sich aus dem Aufeinandertreffen von einer Anzahl individueller Konstruktionsvorstellungen ergeben konnte. Zu allem anderen hätte es des Miteinander-Redens und -Diskutierens gebraucht. Das kommt vielleicht morgen. Heute zählte erst einmal der Ausbruch aus den bekannten Strukturen.
Gut so. Erzieher/innen kennen zum Glück ja das Prinzip "Versuch und Irrtum" und vertrauen ganz auf die Nachhaltigkeit jener Erkenntnisgewinne, die Kinder aus selbst gefundenen Problemlösungen ziehen.
Nach einer halben Stunde Bauchaos beruhigte sich die Gesamtlage im Übrigen auch und die vorher kaum wahrnehmbaren kreativen Teamarbeiten kamen voll und ganz zur Geltung. "Willkommen in der Wortwerkstatt" - unter dieser Überschrift stand der erste spielzeugfreie Tag. Buchstaben suchen und nachmalen, den Anfangsbuchstaben des eigenen Namens kreativ umgestalten, eine alte Schreibmaschine und ein Beschriftungsgerät ausprobieren - das waren vorbereitete Angebote. Und "nebenbei" oder hauptsächlich natürlich das Spielen mit all den schönen Alltagsgegenständen, die die Eltern zwei Wochen lang mitgebracht hatten.
Ganz im Stillen entstand das Highlight des ersten Tages. Die morgens noch zum Turmbau verwendeten Kartons formten, im Zusammenspiel mit Decken, Holzbrettern und Pappen vor dem Mittagessen eine Zirkusmanege. Die drei Stillsten hatten die Idee mit ganzer Hingabe umgesetzt. Und nun luden sie ihr Publikum zur Vorstellung. Es gab Pferde, Löwen, Tiger, nach einiger Suche einen Affen und begleitet von einem schelmischen Augenzwinkern eine Kuh. Und natürlich eine Menge ganz ehrlich gemeinten Applaus.
Ab morgen will eine kleine Gruppe anderer Kinder auch an einem Zirkusprogramm arbeiten. Der Stoff zum Jonglieren ist schon gefunden...
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