Dienstag, 15. Juli 2014

erstens kommt es anders...

Nur damit das klar ist: Helden sehen anders aus! Allenfalls dem Bild tragischen Heldentums würde ich wohl gerecht. Zumindest aus der Ich-Perspektive betrachtet. Und jene Perspektive ist ja die beste für jene Menschen, die sich der Sozialen Arbeit im weitesten Sinne verschrieben haben. Also immer gut reflektieren. Vor allem die eigenen Grenzen kennen und immer schön kritisch bleiben.
Das übrigens kommt auch gut an bei den anderen. Bescheidenheit, so heißt es schließlich, ist eine Zier'!

"KitaHeld" also bezeichnet keinen Gemütszustand. Eine Vorahnung allerdings schon. Schließlich werden Helden bekanntermaßen gemacht. Aber vielleicht ja von Anfang an...

Bankkaufmann, Versicherungsverkäufer, Projektmitarbeiter, Sozialarbeitsstudierender und später -studierter, Dozent, Freiberufler - der Weg war eigentlich vorgezeichnet. Sozusagen eine klassische Karriere eines Getriebenen, den es selten länger irgendwo hält. Eine Karriere, die stets nach mehr ruft, die aus der Perspektive des Karrieristen immer vor allem eins hat: großes Potential. Neugier und Bewegung! Beides sind ausgemachte Energiequellen, sind Antrieb und Ansporn zugleich.
Das klingt nicht nur gut, das ist es auch tatsächlich. Es gibt immer eine Erklärung für die notwendige Bewegung. Bloß nicht stehenbleiben, nicht an irgendetwas festhalten. Getrieben zu sein gerät in der Selbstwahrnehmung schnell zum Gefühl, eigentlich der Herr über die linke Spur des Lebens zu sein. Gelangweilt der Blick auf jene, die ihren Platz gefunden, ihren Frieden mit der Welt wie sie ist geschlossen haben. Weiter, immer weiter muss es gehen, kann es gehen.

Bis irgendwann irgendwer nach deinen Wurzeln fragt. Und als Getriebener hast du keine, keine zumindest, die stark genug wären, dich zu halten. Was Fliegen verheißt, gerät zur Bodenlosigkeit. In stürmischen Zeiten aber täte es gut, fest verwurzelt zu sein.
Für jemanden, der seit Jahren über frühe Bildung spricht, nachdenkt und schreibt, der Querschnittsthemen in den Status der Alltagsdominanz verholfen hat, muss sich irgendwann die Frage stellen, wie er selbst denn in diesem Berufsfeld agieren würde. Und ob er bestehen könnte.  Und als jemand, der redet, nachdenkt, schreibt und darüber hinaus mit einem in der Kindergartenwelt gerade sehr angesagten biologischen Merkmal auf die Welt gekommen ist, liegt es nahe, in stürmischen Zeiten das Wurzelschlagen in eben diesem Berufsfeld zu üben.
Kurzum, an dem Tag, an dem ich beschloss, mich wieder für eine Tätigkeit in einem 'abhängigen Beschäftigungsverhältnis' (ich liebe dieses verwaltungstechnisch anmutende Wortpaar, das doch so viel Realität in sich birgt, wie sonst keine verwaltungstechnische Begrifflichkeit) zu bewerben, war mir klar, dass ich mich in einer Kita bewerben muss. Muss nicht deshalb, weil ich keine andere Wahl hätte. Vielmehr deshalb, weil es auf der Hand liegt, logisch ist, einfach 'dran'.
Anfangs noch auf Stellen als Leiter, Fachberater oder gar Fachbereichsleiter schielend (habitusorientiert nennt man das, meine ich), wuchs bald die große Lust darauf, wenn schon Praxis, dann richtige Praxis zu erleben.

Tja, und nun sitze ich hier. Am Vorabend jenes Tages, da ich mein zukünftiges Kita-Team kennenlernen werde. Und eigentlich könnte ich mich fragen, ob ich mich als Sozialpädagoge in der Realität des Kitaalltags zurechtfinden werde. Tue ich aber nicht. Ich frage mich, ob ich mich als Mann in der Realität des Kitaalltags zurecht finden werde. Schräg irgendwie.
Aber auch erklärbar. Habe ich doch schon erste Lorbeeren für meine Existenz als Mann ernten dürfen. So wurde mir bereits im Vorstellungsgespräch die Fähigkeit zugesprochen, mit jener Kindergruppe gut fertig zu werden, in der gerade einige sehr verhaltensoriginelle Jungen präsent wären. Nicht etwa wegen meiner ausgewiesenen Fachexpertise im Umgang mit verhaltensoriginellen Kindern. Sondern wegen meines Mannseins (ich hatte scheinbar vergeblich versucht, das zu verbergen). Ich selbst sähe mich ja viel eher als Erzieher bei den Kleinen. Also den ganz Kleinen. Aber wenn man einmal mit solcher Vorschussehrung bedacht wird, kann man ja schlecht...

Mann sein ist schon eine Herausforderung. Finde ich seit heute. Und ausschließlich um mich irgendwann an die Anfänge und die weiteren Verläufe erinnern zu können, habe ich beschlossen, diesen Blog zu schreiben. Dass  den irgendwie alle Menschen dieser Welt mitlesen können, interessiert mich natürlich gar nicht. Als Mann bin ich daran gewöhnt, dass mein Tun Weltbedeutung haben könnte. Ob ich will oder nicht...

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