Nur um das vorweg zu nehmen: Helden sehen anders aus. Also anders als ich. Sagt meine Selbstreflexion. Mittlerweile übrigens gut geübte Selbstreflexion. Allerdings lese ich gerade, dass Männer Wirkung zeigen. In der Kita. Und gegenüber Jungen. In Österreich nennt man die Burschen und aus Österreich kommt sozusagen auch meine Erkenntnis. Denn in den Salzburger Nachrichten vom 15. Juli 2014 steht es geschrieben. Ob ich das Ergebnis der beschriebenen Studie nun allerdings begrüßen sollte, weiß ich noch nicht. Da muss ich noch einmal nachdenken. Später. Denn erst einmal übe ich mich lieber noch. In Selbstreflexion zum Beispiel. Man kann ja immer noch besser werden...
Salzburger Nachrichten, 15. Juli 2014 (http://www.salzburg.com/nachrichten/oesterreich/politik/sn/artikel/maennliche-kindergaertner-aendern-verhalten-von-buben-113926/)
Derzeit sind in Österreich nur 0,8 Prozent der
Kindergartenpädagogen männlich. Wie sich dieses
Geschlechter-Ungleichverhältnis in der Praxis auswirkt, wurde von
den Forschern um Josef Christian Aigner vom Institut für
psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung in der
aufwendigen "Wirkungsstudie W-INN" an zehn Kindergärten in
Tirol und Salzburg untersucht. Dabei waren fünf Fachkräfte-Teams
rein weiblich, in fünf gab es auch Männer.
Herzstück der Studie war die Analyse von Videoaufnahmen aus dem
Gruppenalltag bei 30 "Zielkindern", die zusätzlich im
Einzelsetting mit Playmobilfiguren alltägliche Konfliktthemen
nachgespielt haben. Bei je fünf männlichen und weiblichen Pädagogen
wurde das konkrete pädagogische Verhalten beobachtet. Außerdem
wurden die 22 Erzieherinnen und Erzieher in Fragebögen zu
beruflicher Qualifikation und Erfahrung und ihrer Einschätzung von
Verhalten und Beziehung einzelner Kinder befragt. Ebenso erhoben
wurde die familiären Hintergrundsituation (sozioökonomischer
Status, Aufgabenteilung der Eltern etc.) der 206 Eltern von insgesamt
163 Kindern.
Wie die Videoanalyse zeigt, verhielten sich Mädchen gegenüber
männlichen und weiblichen Kindergartenpädagogen weitestgehend
gleich. Bei den Burschen zeigten sich indes "deutliche
Differenzen": Sie suchten der Studie zufolge fast durchgehend
öfter Anschluss und Kontakt zu den männlichen Fachkräften.
Statistisch signifikante Unterschiede zu Pädagoginnen gab es in den
Bereichen "Interesse an Kommunikation und affektivem Austausch",
"Freude an Körperkontakt" und "Streben nach
exklusiver Aufmerksamkeit".
Außerdem wurden die Auswirkungen der Präsenz männlicher
Pädagogen auf das Spiel- und Sozialverhalten der Kinder untersucht.
Auch hier wurden nur bei den Burschen Unterschiede im Verhalten
festgestellt: Sie zeigten bei gemischtgeschlechtlichen
Fachkräfte-Teams deutlich extrovertierteres Verhalten, bewegten sich
mehr und waren aktiver und weniger "angepasst". Die
Forscher konnten durch Zusammenführung aller Untersuchungsdaten bei
21 Fallstudien außerdem gerade bei jene Burschen
Verhaltensunterschiede festmachen, "die real kaum von einer
präsenten Vaterfigur profitieren konnten".
Wieso es zum beobachteten Effekt kommt, konnte in der Studie noch
nicht umfassend geklärt werden. Befürchtungen, dass der Einsatz von
mehr männliche Kindergartenpädagogen zu einer Verfestigung oder
Wiederaufrichtung konventioneller männlicher
Geschlechterrollenklischees beitragen könnte, weisen die Autoren
zurück: Dies scheine "einer durch nichts belegbaren
gender-ideologischen Voreingenommenheit zu entspringen."
Vielmehr könnte, so die Hoffnung der Wissenschafter, der Effekt bei
entsprechender gendersensibler Ausbildung des Personals genutzt
werden, um für die Burschen wichtige "korrigierende und
modifizierende pädagogische Schritte zu setzen".
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