Freitag, 24. Oktober 2014

Tage der seelischen Gesundheit

Ab und an genieße ich die Möglichkeit, zu meinen Wurzeln zurückzukehren. Gestern Abend ergab sich eine solche Möglichkeit bei einer Moderation zu den Tagen der Seelischen Gesundheit in Weimar. Das Leitthema des Podiumsgespräches lautete "psychisch krank und dennoch mittendrin". Es ging um die gesellschaftlichen Bedingungen, in denen seelische Gesundheit leidet und um notwendige Rahmungen für die Ermöglichung eines "normalen" Lebens mit psychischer Krankheit.
Befragt nach den Wünschen für die Zukunft im Zusammenhang mit dem Thema seelische Gesundheit antwortete eine Podiumsteilnehmer sinngemäß: "Ich wünsche mir, dass wir wieder schätzen lernen, was jeder für Potentiale in sich trägt, dass wir wegkommen davon, immer nur vermeintliche Defizite zu analysieren. Ich wünsche mir, dass wir interessiert aufeinander zugehen, uns zuhören und wieder mehr auf den anderen achten." Die Wünsche formulierte jemand, der therapeutisch arbeitet. Jemand, der sich bessere Rahmenbedingungen wünschen könnte, mehr Geld, mehr Information der Betroffenen und Angehörigen, weniger Bürokratie im Umgang mit den Krankenkassen. Alle diese Wünsche wären wohl auch berechtigt gewesen. Aus seiner Sicht aber war anderes viel wichtiger.
Und Recht hat er. Eigentlich braucht es doch gar nicht so viel, um Gutes zu tun für seelische Gesundheit, für das Gefühl, ein gutes Leben zu führen. Es braucht Achtsamkeit - auf sich selbst, auf die anderen, auf das was einem die Leichtigkeit und Fröhlichkeit des Lebens rauben kann.
Und können wir in der Kita nicht einen riesigen Beitrag dazu leisten, dass Kinder diese Achtsamkeit entwickeln? Wir können als Pädagog/innen selbst darauf achten, nicht über die Köpfe der Kinder hinweg zu entscheiden, Emotionen ernst zu schätzen, Ängste nicht beiseite zu schieben sondern zu nehmen. Wir können alltägliche Bedingungen schaffen, die Kinder dazu anregen, auf die anderen zu achten, Fröhlichkeit gemeinsam zu schaffen und zu genießen, gemeinsam Mut zu entwickeln.
Wir könnten endlich aufhören, strichlistenartig die Defizite der von uns betreuten Kinder aufzulisten und ihre Passung in die Anforderungswelt von Schule und Beruf zu überprüfen. Wir könnten uns endlich auf die Suche machen nach den Potentialen und Fähigkeiten jedes einzelnen kleinen Menschen in unserer Obhut, nach dem was ihn jeweils einzigartig und besonders macht.
In anderen Bereichen können wir doch auch präventiv sein: Sprache, Motorik, Sucht, ... "Erziehung ist Beispiel und Liebe, sonst nichts.", so soll es der alte Fröbel dereinst gesagt haben. Seien wir also Beispiel und vermitteln unseren Kindern mit Liebe, wie wertvoll unser Leben und das Leben der Menschen um uns herum ist und wie wichtig es ist, dieses wundervolle Leben in der Seele gesund genießen zu können.

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