Eine Gruppe, zwanzig Kinder... und scheinbar kaum eines "normal entwickelt". Ein unglaublicher Hagel an Förderbedarfen - diagnostiziert durch Jugendamt, Ärzteschaft, Therapeut/innen - schlägt auf den Gruppenalltag hernieder. Neben allem anderen übrigens.
Sprachförderung, Motorikförderung, Förderung der Sozialkompetenz, Umgang mit einer auditiven Wahrnehmungsstörung. Dazu kommen noch jene "Bedarfe", die von den Eltern (gelegentlich wohl zum Glück) nicht getragen werden, also letztlich nicht zu irgendeiner Form von Förderung führen.
Nun könnte man meinen, so viele im Kitaalltag geförderte Kinder führten fast zwangsläufig zu einer inklusiven pädagogischen Aufstellung. Tatsächlich aber steigt das Potential, dass die Summe der Einzelförderungen eine weit gefasste Alltagsaufstellung der Gruppe ver- oder zumindest behindert und stattdessen zu einer Ansammlung ständig präsenter sich kreuzender Einbahnstraßen führt. Stempel drauf und...
Und alles, weil nicht einmal die Hälfte der Kinder einer Norm entspricht, die vermutlich doch nur darauf zielt, dem System Schule möglichst optimiert zur Verfügung gestellt zu werden. Damit werden nicht etwa Angebote in der Kita geöffnet, damit wird nicht der Kreis erweitert, in dem Kinder mit verschiedensten Bedürfnissen und Bedarfen Platz finden können, damit wird - zumindest in der Realität wie ich sie wahrnehme - das Gegenteil von Inklusion betrieben. Da werden Stempel verteilt und Erklärungen gleich mitgeliefert.
Statt einer pädagogischen Rahmung mit entsprechender Personal- und Raumausstattung, die es zulässt sich jedem Kind entsprechend seiner jeweils besonderen Bedarfe zu widmen, rückt das jeweils diagnostizierte Defizit in den Mittelpunkt und wird nahezu technisch abgehandelt. Unterlegt mit Förderstunden, wahlweise im Gruppenkontext oder im Einzelsetting, kann das Defizit dann soweit bearbeitet werden, dass das Kind sich wieder der Norm annähert. Das Management dieser Förderungen kostet gefühlte Unmengen an Zeit und Aufmerksamkeit. Zeit und Energie, die der Arbeit mit den Kindern entzogen wird.
Diese Sicht ist vielleicht ein wenig engstirnig. Natürlich braucht es Einzelförderung und das nicht selten über das Maß der Möglichkeiten eines/einer Erzieher/in hinaus. Wenn solche Förderung jedoch mit der Stoppuhr in der Hand realisiert und abgerechnet werden muss, muss sie die Ziele inklusiver Pädagogik verfehlen.
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