Ein Schmunzeln muss erlaubt sein. Vor allem dann, wenn man als Mann in einer Frauendomäne wie der Kita erlebt, wie Frauen unter dem Aspekt Geschlechtergerechtigkeit mit Sprache umgehen. Schmunzelnd nehme ich das deshalb zur Kenntnis, weil ich mir schon so oft anhören durfte, wie stark doch Männer die Wirkungsmacht über Sprachgebräuche in allen Teilen der Gesellschaft an sich gerissen hätten und wie sehr Frauen darum kämpfen müssten, in Sprache überhaupt stattzufinden.
Dass ich mich zu diesem Thema mit gutem Gewissen überhaupt und dann auch noch unter Gebrauch des Wortes "Schmunzeln" äußere, hat einfach damit zu tun, dass ich mich zu den Männern zähle, denen das Thema Gender(-sensibilität, -gerechtigkeit, -konstruktion) als wichtig erscheint. Entsprechend habe ich mich in der Vergangenheit durchaus kritisch und selbstkritisch damit auseinander gesetzt.
Nun bewege ich mich in einem bislang ausschließlich von Frauen konstruierten und verantworteten Sozialraum - einer (qua Einrichtungstyp sowieso schon als weiblich konnotiert geltenden) Kita mit mehr als dreißig Kolleginnen und bislang keinem Mann im Team - einer Komfortzone also für weibliche Selbstbehauptung und von Männern fast unbeeinflusst. Hier könnten sich Frauen in gewaltfreier Kommunikation, in geschlechtergerechtem Sprachgebrauch, in direktem ehrlichem und hierarchiefreiem Miteinander üben. Niemand würde es als Sozialarbeitergedöhns und Emanzentum abtun, kein Mann müsste überzeugt werden, niemand würde das belächeln. Männer die sich in das so gestaltete Miteinander begäben, wären nahezu selbstverständlich dazu angehalten, sich als hinzukommende Minderheit anzupassen, sich des weiblichen Kommunikationsgebahrens anzunehmen.
Allein die Praxis schreibt andere Geschichten und kennt andere Realitäten. Da sitze ich als einziger Mann. Und ich wähne mich irritiert kurzzeitig in einem eigentlich längst von Männern übernommenem Berufsfeld. Die Erzieher tun dies, sie müssen jenes verantworten. Ach ja, und gut ist es, wenn dann der Erzieher in bestimmten Situationen Unterstützung von einem Mann erhält... Ähm..., hm?!.!?
Nun ja also... DIE ERZIEHERIN scheint es in der Sprachrealität der Frauendomäne Kita - zumindest hier - nicht zu geben. Oder zumindest nur als Randerscheinung.
Nicht dass ich jetzt beginnen müsste, den Frauen diese Tatsache bewusst zu machen. Da müssen sie schon selbst drauf kommen. Schließlich entbehrt es jeder Logik, wenn Erzieher nicht gut Väterarbeit initiieren können, weil eben Erzieher viel näher an den Vätern dran sind. Oder dass es gut ist, wenn ein Erzieher im Hause arbeitet, weil es manchmal ganz gut ist, dass die Jungen jetzt ein lebendes Erwachsenenexemplar ihres Geschlechts alltäglich erleben können, was sie ja nicht können, wenn in der Kita nur Erzieher arbeiten. You know? Ja, an der einen oder anderen stelle wäre die Existenz der ERZIEHERIN auch in der Sprachwirklichkeit schon hilfreich.
Okay, ich treib's auf die Spitze. Und ja, ich tue es mit ein kleinwenig Sarkasmus und auch mit ein wenig Genugtuung. Irgendwann brauche ich auch einmal den ehrlichen Ausgleich dafür, dass ich als interessierter und sensibilisierter Mann von den sprachgewaltigen Feministinnen stellvertretend für mein Geschlecht immer die Verbalprügel einstecken musste. In den Diskussionsrunden war ich zumeist der einzige Mann und von daher wohl prädestiniert als Empfänger der Botschaft an das von mir nun mal vertretenen Geschlecht. Jetzt kann ich "zurückschlagen". Indem ich mich zurücklehne und - schmunzelnd - beobachte, was die Frauen denn so tun und reden, wenn sie unter sich sind und dafür auch noch selbst die Verantwortung tragen.
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