Es braucht nicht viel, um krank zu sein. Gerade in einer Kita im beginnenden Herbst. Husten und laufende Nasen überall...
Um sich so krank zu fühlen, dass man nicht mehr zur Arbeit gehen kann, braucht es da schon mehr. Vor allem mehr Zeit und einen Husten, der beim besten Willen nicht mehr nur ein einfacher Husten ist. Fieber sollte dabei sein und eine Stimme, die vor Heiserkeit nicht mehr zu verstehen ist. Drunter geht nichts.
Nun sitze ich also zu Hause. Nach drei Wochen des Versuchs, eine Erkältung (oder vielleicht waren es auch mehrere nacheinander) mit Hausmittelchen zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn wegzukurieren, hat sich das eigene Immunsystem dazu entschieden, in den Warnstreik zu gehen. Eine Bronchitis ist aus der anfangs kleinen Erkältung geworden. Und die bahnt sich nun mit aller Macht ihren Weg und fordert ihren Tribut. Aus der anfänglichen Annahme, man könne die mit der Kranschreibung plötzlich existierende freie Zeit ja dadurch nutzen, dass man Vorbereitungen trifft für die nächste Zeit, Material erarbeitet, Dokumentationen entwickelt, Pläne visioniert, zerschlägt sich bei 38,5° Fieber und irgendwie überall existierender Knochen- und Muskelschwere ganz schnell.
Hätte man nur...! Ja hätte man nur auf die warnenden Stimmen da draußen und auf die eigene innere Stimme gehört, die da alle miteinander gesagt haben, man solle eine Erkältung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wäre man vielleicht etwas vorsichtiger gewesen in der Regenerations- und Freizeit, hätte etwas mehr geschlafen, ein oder zwei Termine abgesagt, wäre vielleicht schon einmal deutlich früher einen Tag zu Hause und im Bett geblieben. Dann wäre man jetzt kein Totalausfall. Und man wäre schon gar nicht überraschend für eine ganze Woche weit weg von seiner Kindergruppe.
Allerdings fragt sich so im Nachhinein, wann man denn hätte einen Gang zurückschalten können. In der Kita gibt es niemanden, der einfach mal so die eigene Gruppe übernimmt, nur weil man mal einen Tag Pause braucht. Erzieherinnen müssen dann aus einer anderen Gruppe herangeholt werden. Auch gibt es in der Situation des vollen Ausreizens knapper Personaldecken kaum eine Kultur des Aufeinander-Achtens im Sinne von "Geh' doch heute mal etwas früher nach Hause und ruhe dich aus."
Stattdessen springt man selbst in die tagtäglich entstehenden Lücken, improvisiert, hilft aus, reduziert, verdoppelt sich gefühlt zwischen Vorbereitung, Aufsicht, Angebotsplanung und -Gestaltung, Dokumentation und Abrechnung. Kein tag, an dem man nicht - zumindest für einen Moment - am Limit ankommt.
Ich bewundere die Kolleginnen, die das offensichtlich seit Jahren und Jahrzehnten so tun und dennoch jeden Tag aufs neue hoch motiviert morgens ihre Kinder erwarten, sich an deren Interessen und Bedarfen orientieren, ihr Bestes geben. Ab nächste Woche bin ich auch wieder dabei. Aber irgendwie muss ich wohl schauen, woher ich die Gelassenheit bekomme, besser auf mich selbst zu achten ohne Angst zu haben, kein ganz so guter Erzieher zu sein.
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